CHEST PRESS Biomechanik check
17. Februar 2026 21:41Keine Chest Press ist „nur“ eine Chest Press – warum konvergierende Griffe die Kraftkurve komplett verändern
Im Krafttraining verlassen wir uns gerne auf Maschinen. Sie wirken planbar, stabil und „sicher“ – vor allem bei drückenden Bewegungen wie Chest Press. Kraftmäßig ist man immer dann bei drückenden Bewegungen schwächer, wenn die Arme gebeugt sind und stärker, wenn sie nahe an die Streckung kommen. Bei vielen Chest Press Geräten passiert aber das Gegenteil: vorne wird’s ungewöhnlich schwer – obwohl man eigentlich stärker sein sollte.
Den Grind dafür findest du in der Mechanik der Muskelfaser.
In diesem Artikel schauen wir uns an, warum die klassische Kraftkurven-Logik bei Chest Presses nur bedingt stimmt, was konvergierende Griffe damit zu tun haben – und worauf du bei Maschinen wirklich achten solltest.
Kraftkurve vs. Widerstandskurve – das Grundprinzip
Zwei Begriffe entscheiden darüber, ob sich eine Maschine „gut“ anfühlt und ob sie dich über den gesamten Bewegungsradius sinnvoll belastet:
Kraftkurve
= Wie viel Kraft dein System (Muskel + Gelenkmechanik) in verschiedenen Gelenkwinkeln/Positionen entwickeln und zeigen kann.
Widerstandskurve
= Wie sich der externe Widerstand eines Geräts über die Bewegung verändert (Hebelarme, Exzenter, Rollen, Seilführung etc.).
„Angenehmer“ wird es dann, wenn Widerstandskurve und Kraftkurve in der Praxis gut zueinander passen.
Die klassische Erscheinungsform bei drückenden Bewegungen (linear gedacht)
Bei vielen drückenden Bewegungen gilt als Faustregel:
- hinten/unten (Arme gebeugt, Stange auf Brust / Griffe nahe am Körper) = eher schwächer
- vorne/oben (Arme gestreckt) = eher stärker
Das deckt sich mit typischen Alltagserfahrungen:
- Beim Bankdrücken sind die letzten Zentimeter oft „leichter“ als der Start.
- Beim Liegestütz ist die Endposition meist kein großes Problem.
Wenn man nur diese Logik verwendet, würde man folgern:
Eine Chest-Press-Maschine sollte nach vorne hin schwerer werden, damit die Widerstandskurve zur Kraftkurve passt.
Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Das stimmt nur für bestimmte Bewegungsformen.
Die Besonderheit: Konvergierende Griffe verändern die Übung fundamental
Viele Chest-Press-Geräte sind so gebaut, dass die Griffe nach vorne konvergieren – sie nähern sich also an, je weiter du drückst.
Das ist auch sinnvoll, weil es der natürlichen Armführung ähnelt. Aber biomechanisch passiert dadurch etwas Wesentliches:
1. Du bringst die Ellbogen weiter zusammen → Brust verkürzt maximal
Wenn du stark konvergierst, endet die Bewegung in einer Position, in der die Brustmuskulatur extrem verkürzt ist.
Und: Ein sehr stark verkürzter Muskel ist in der Regel weniger kraftfähig (vereinfacht gesprochen: ungünstige Länge-Spannungs-Beziehung).
2. Die klassische Kraftkurve „für lineare Bewegungen“ passt nicht mehr
Die typische Kurve „je weiter nach vorne, desto stärker“ gilt vor allem, wenn:
- die Bewegung eher linear abläuft
- und die Endposition nicht in eine maximale Verkürzung zwingt
Bei stark konvergierenden Chest Presses kann ganz am Ende der Bewegung das Gegenteil passieren
Du wirst Richtung extreme Endposition nicht weiter stärker – du wirst teilweise wieder schwächer.
Das erklärt, warum manche Geräte sich vorne „zu“ schwer oder „komisch“ anfühlen – oder warum du „nicht durchdrücken“ kannst.
Was bedeutet das für die Lastkurve einer guten Chest-Press-Maschine?
Wenn die Kraftfähigkeit bei stark konvergierenden Presses Richtung Ende wieder abnimmt, dann wäre mechanisch oft sinnvoll:
- Der Widerstand steigt nicht einfach nur kontinuierlich nach vorne,
- sondern wird – je nach Konvergenz – Richtung Endposition wieder etwas leichter.
Wie stark das sein sollte, hängt davon ab, wie stark das Gerät konvergiert.
Je mehr eine Press-Variante dich in maximale Verkürzung zwingt, desto mehr musst du damit rechnen, dass die Kraftkurve vorne nicht weiter ansteigt.
Woran du „gute“ vs. „problematische“ Chest Presses in der Praxis erkennst
Ohne Winkelmesser, ohne Labor – nur mit einem klaren Blick:
Hinweise auf eine gut passende Widerstandskurve
- Du kannst mit ähnlicher Anstrengung durch den gesamten ROM drücken.
- Die Endposition fühlt sich stabil an – nicht wie ein „Breakdown-Punkt“.
Hinweise auf biomechanische Nachteile
- Die Maschine fühlt sich vorne plötzlich unverhältnismäßig schwer an (trotz sauberer Technik).
- Du musst am Ende kompensieren (Schultern nach vorne).
- Du reduzierst unbewusst den ROM, weil die Endrange nicht sinnvoll erreichbar ist.
Der wichtigste Schritt ist: Du erkennst überhaupt erst, warum etwas passiert. Und genau das ist Biomechanik.
Biomechanik im Krafttraining: der Unterschied zwischen „Übung machen“ und „Übung verstehen“
Viele Trainingsfehler sind keine reine Kraftprobleme. Es sind Mechanikprobleme:
- falsche Lastkurve für deine Kraftfähigkeit
- ungünstige Gelenkwinkel
- Geräte, deren Konstruktion eher wirtschaftlich als biomechanisch gedacht ist
Wenn du das verstehst, kannst du:
- Übungen gezielter auswählen
- Maschinen objektiv beurteilen
- Programming sauberer aufbauen
- und Coaches/ Athlet:innen besser erklären, warum sich etwas so anfühlt
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Takeaway
Keine Maschine ist perfekt – aber du kannst lernen, welche Kompromisse sie macht. Und genau da beginnt smartes Krafttraining:
Nicht nur hart trainieren – mechanisch klug trainieren.
Die EINS-A Coaching OG (Educational Institute for Sports – Austria) hat es sich zum Ziel gesetzt Strength & Conditioning Coaches ein Fortbildungsangebot auf höchstem Niveau zu bieten!
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