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SPCP Modul Schnelligkeit: Agility Leistungstests

5. März 2026 23:28

Was du aus dem SCPC-Modul „Schnelligkeitstraining“ für deine Agility-Tests und dein Training mitnehmen solltest

Im Strength & Conditioning Performance Coach (SCPC) Modul Schnelligkeitstraining haben wir uns am zweiten Tag schwerpunktmäßig mit Change of Direction (COD), Agility und Game Speed beschäftigt. Drei Begriffe, die im Coaching-Alltag ständig fallen – und gleichzeitig extrem gut „verkauft“ werden. Vor allem im Bereich der Leistungstests.

Und genau da liegt das Problem: Viele klassische „Agility Tests“ sind in der Praxis mehr Marketing als Methodik. Sie liefern zwar eine Zeit – aber oft keine brauchbare Begründung, warum du sie in dein Testing und vor allem in deine Trainingsentscheidungen integrieren solltest.

Die Kernaussagen

  • Ein Leistungstest muss entweder den aktuellen Leistungszustand abbilden oder eine Trainingsempfehlung ermöglichen – idealerweise beides.
  • Klassische Tests wie Illinois Agility Test, T-Test, Boomerang sind häufig nicht „agility“, weil ihnen ein externer Reiz fehlt.
  • Bei komplexen Abläufen hast du starke Lerneffekte: Wiederholung #2 ist oft besser als Wiederholung #1 – ohne dass die Athletik wirklich besser wurde.
  • Gesamtzeit allein (z. B. im 505) sagt dir nicht, ob das Problem Bremsen oder Beschleunigen ist.
  • Timing + Kamera sind Pflicht, wenn du aus Tests echte Trainingsableitungen machen willst.
  • COD-Testing ist nur repräsentativ, wenn die Athlet:innen mit adäquatem Entry Speed reingehen (z. B. ≥ 90% ihrer 5-/10-m Zeit).

COD, Agility, Game Speed: gleiche Familie – nicht dasselbe

Viele sprechen über „Agility“, meinen aber komplett unterschiedliche Dinge:

  • Change of Direction (COD): Richtungswechsel ohne externen Reiz (z. B. vorgegebener Cut-Winkel).
  • Agility: Richtungswechsel mit externem Reiz (Gegner, Signal, visueller Stimulus).
  • Game Speed: Agility im Anwendungskontext, mit Entscheidungen, Timing, Druck – und oft ohne klassisches „Coaching“ im Moment selbst.

Wenn dein Test keinen externen Reiz hat, ist es in den meisten Fällen kein Agility-Test, sondern ein COD-Test (und oft sogar nur ein „Pattern-Running-Test“).

Warum viele „Agility Tests“ dir wenig bringen

Nehmen wir den Illinois Agility Test als Beispiel:

Er hat keinen externen Reiz. Die Athlet:innen spielen einen fixen Ablauf ab. Das ist eher eine Mischung aus Laufmuster + Orientierung + Übungseffekt – aber nicht das, was Agility im Sport eigentlich ausmacht.

Der Knackpunkt: Je komplexer der Task, desto stärker der Lerneffekt

Mach den Test einmal – mach ihn ein zweites Mal – und du bekommst sehr wahrscheinlich eine Verbesserung.

Nicht, weil die Athletik plötzlich besser ist, sondern weil das System Task-Familiarity lernt: Linien, Rhythmus, Kurven, Timing.

Konsequenz:

Wenn du solche Tests nutzt, musst du sie vorher üben lassen. Erst nach mehreren Durchgängen bekommst du ein Ergebnis, das halbwegs den aktuellen Stand widerspiegelt.

Was ein Leistungstest leisten muss (sonst ist er Zeitverschwendung)

Ein Test sollte mindestens eine dieser Fragen beantworten:

  1. Status: Wie gut ist der/die Athlet:in aktuell – und wodurch entsteht diese Leistung?
  2. Handlung: Was heißt das konkret fürs Training? Was soll ich ändern?

Im Idealfall kann ein Test beides. Viele „Agility Tests“ liefern aber nur eine Zeit – ohne Interpretationslogik.

Gesamtzeit ist ein grobes Bild – aber kein Trainingshebel

Das Kernproblem bei COD-Tests: Sie bestehen meistens aus

  • Beschleunigen
  • Abbremsen/Deceleration
  • Richtungswechsel
  • Re-Acceleration
  • eventuell wiederholt

Wenn du nur die Gesamtzeit misst, bekommst du ein Gesamtbild – aber du weißt nicht, wo das Problem liegt.

Beispiel 505

Wenn du nur die 505-Zeit ansiehst, ist unklar:

  • war das Bremsen gut und die Re-Acceleration schlecht?
  • oder umgekehrt?
  • oder beides mittelmäßig?

Training lebt von Ansatzpunkten. Gesamtzeit allein liefert dir die selten.

Pflicht im COD-Testing: Kamera mitlaufen lassen

Wenn du aus COD-Tests echte Entscheidungen ableiten willst, brauchst du mindestens:

  • Timing (objektiv)
  • Video (qualitativ)

Mit Video kannst du z. B. erkennen:

  • Wie „ordnet“ der/die Athlet:in die letzten Schritte vor dem Cut?
  • Wie ist der Oberkörperwinkel / die Rumpfspannung im Bremsmoment?
  • Wo ist der Fußaufsatz (unter/außerhalb des KSP), wie ist die Schienbeinposition?
  • Wie viele Schritte „verpuffen“ im Bremsen, bevor wieder Beschleunigung passiert?

Ohne diese Infos trainierst du oft ins Blaue.

Entry Speed: Dein Test ist nur so gut wie der Anlauf

Ein weiterer Klassiker: COD-Tests werden mit zu wenig Geschwindigkeit angelaufen. Dann testest du nicht „Bremsen unter sporttypischem Stress“, sondern einen technisch sauberen Cut bei Jog-Tempo.

Darum brauchst du Kontext über die Athlet:innen:

  • Wie schnell sind sie auf 5 m und 10 m (oder auf der gewählten Anlaufdistanz)?

Für den 505 mit klassischem 10-m Anlauf gilt sinngemäß:

Der Durchgang ist nur repräsentativ, wenn der/die Athlet:in im Anlauf mindestens ca. 90% seiner/ ihrer Bestleistung erreicht.

Wenn das nicht erreicht wird: Wiederholen.

Sonst vergleichst du Äpfel mit Birnen – und deine „Verbesserungen“ sind am Ende nur Tempo-Unterschiede, keine COD-Qualität.

Praxis-Setup: So bekommst du saubere Daten

Timing für schnelle Entscheidungen

Timing Gates helfen dir sofort zu sehen:

  • War der Anlauf schnell genug?
  • Muss der Run wiederholt werden?

Im SCPC nutzen wir dafür schnelles Coach-Feedback über Timing-Systeme (u. a. auch durch die VALD-Unterstützung in der Ausbildung), damit du unmittelbar reagieren kannst:

„Zu langsam im Antritt – wiederholen.“

Kamera für Qualität

  • Fokus: letzte Schritte, Cut-Moment, erster Re-Accel-Schritt


Vom Test zum Training: erst Drill → dann COD → dann Agility → dann Game Speed

Am Ende des Tages sind Tests nur wertvoll, wenn sie dein Training besser machen.

Im Modul sind wir deshalb vom linearen Sprint ausgehend systematisch weiter:

  1. Technik/Drillform: nur Bewegung, keine Entscheidung
  2. Change of Direction: Winkel, Vorgaben, saubere Mechanik
  3. Agility: externer Reiz, Reaktion, „Late Declaration“-Momente
  4. Game Speed: Anwendung – in der Realität oft ohne ständiges Coaching


Der Punkt ist Progression: vom kontrollierten Skill hin zur echten sportlichen Aufgabe.

Coaching Language: Du brauchst mehr als „Fuß strecken“

Ein unterschätzter Hebel: wie du coachst.

Wenn du nur einen Cue hast („Fuß strecken“), verlierst du Athlet:innen, bei denen dieser Cue nicht landet. Du brauchst mehrere Bilder/Ansagen für dasselbe Ziel, z. B.:

  • „Schieb den Boden weg.“
  • „Explodiere in den Raum.“
  • „Greif den Boden und drück dich raus.“

Gute COD-/Agility-Coachingsprache ist facettenreich, weil Athlet:innen unterschiedlich lernen.

Takeaways für deine Praxis

Wenn du COD/Agility testest oder trainierst, nimm dir diese drei Fragen als Filter:

  1. Ist das wirklich Agility – oder nur ein Pattern? (externer Reiz ja/nein)
  2. Kann ich aus dem Ergebnis eine Trainingsentscheidung ableiten? (Zeit + Video + Kontext)
  3. War der Entry Speed repräsentativ? (z. B. ≥ 90% der Anlauf-Bestzeit)

Wenn du hier „Nein“ sagst, ist der Test entweder schlecht gewählt – oder schlecht umgesetzt.



Autoren
EINS-A COACHING

Die EINS-A Coaching OG (Educational Institute for Sports – Austria) hat es sich zum Ziel gesetzt Strength & Conditioning Coaches ein Fortbildungsangebot auf höchstem Niveau zu bieten!

Das Angebot umfasst sportwissenschaftliche Fachbeiträge mit Wissenschaftlern aus der ganzen Welt, sowie sehr praktisch orientierte Workshops mit Weltklassetrainern/innen. Dabei legen wir darauf Wert, dass sowohl Hintergrundwissen für ein tiefes Verständnis von Trainingsprozessen, Physiologie, Psychologie und Rehabilitation vermittelt wird, als auch der praktische Einsatz!

Als Partner der NSCA Germany, setzen wir den Standard fort und bauen auf eine langjährige Erfahrung im Athletikbereich zurück!

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