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Analyse der Leg Extension "Schnell M3"

7. August 2026 10:11

Widerstandskurve ist nicht alles: Was eine Leg Extension über Maschinenanalyse verrät

„Optimale Biomechanik“, „angepasste Widerstandskurve“, „gelenkschonend“ – wer sich mit modernen Krafttrainingsmaschinen beschäftigt, kommt an solchen Begriffen kaum vorbei. Hersteller werben mit immer neuen Konstruktionen und Einstellmöglichkeiten. Doch die entscheidende Frage lautet nicht, wie innovativ eine Maschine aussieht oder wie viele Einstellungsmöglichkeiten sie besitzt.

Die entscheidende Frage lautet: Was passiert biomechanisch tatsächlich, wenn wir sie benutzen?

Ein interessantes Beispiel dafür liefert die Leg Extension des Hersteller "Schnell" M3. Die Maschine bietet eine Eigenschaft, die auf den ersten Blick ausgesprochen sinnvoll erscheint: Die Widerstandskurve lässt sich verändern. Gleichzeitig zeigt genau dieses Gerät, warum bei der Beurteilung einer Krafttrainingsmaschine niemals nur ein einzelnes Merkmal betrachtet werden darf.

Eine verstellbare Widerstandskurve – eigentlich ein großer Vorteil

Bei einer Leg Extension verändert sich während der Bewegung das Verhältnis zwischen äußerer Last und dem Drehmoment, das im Kniegelenk überwunden werden muss.

Vereinfacht gesagt wollen wir wissen:

An welcher Stelle der Bewegung ist die Übung besonders schwer – und an welcher leichter?

Bei der Schnell Leg Extension lässt sich diese Charakteristik sehr fein beeinflussen. Je nach Einstellung kann der Widerstand stärker in Richtung der gebeugten Knieposition oder stärker in Richtung der gestreckten Position verschoben werden.

Das eröffnet interessante Möglichkeiten.

Für Muskelaufbau kann beispielsweise eine andere Belastungsverteilung sinnvoll sein als in bestimmten Phasen einer Rehabilitation. Auch individuelle Voraussetzungen, Bewegungsamplituden oder konkrete Trainingsziele können beeinflussen, welche Widerstandskurve wir bevorzugen.

Eine verstellbare Widerstandskurve ist daher grundsätzlich ein spannendes Werkzeug.

Doch genau hier beginnt die eigentliche Maschinenanalyse.

Denn nur weil sich eine Widerstandskurve einstellen lässt, bedeutet das noch lange nicht, dass die Belastung am Ende tatsächlich genauso am Körper ankommt, wie wir es aufgrund dieser Einstellung erwarten würden.

Das Eigengewicht der Maschine verändert den Widerstand

Bei der beschriebenen Leg Extension besteht das bewegte Hebelsystem aus mehreren Bauteilen mit einem nicht unerheblichen Eigengewicht.

Wenn wir das Knie strecken, bewegen wir deshalb nicht ausschließlich die über den Gewichtsblock oder eine andere Widerstandsquelle eingestellte Last. Wir müssen gleichzeitig Teile der Maschinenkonstruktion selbst anheben.

Das Gewicht dieser Hebel erzeugt zusätzliches Drehmoment.

Damit verändert sich die effektive Belastung, die während der Bewegung überwunden werden muss.

Bei hohen Trainingslasten kann dieser zusätzliche Widerstand relativ gesehen eine untergeordnete Rolle spielen. Besonders relevant wird er jedoch bei sehr niedrigen Lasten.

Genau das kann beispielsweise in einem Reha-Setting problematisch werden.

Stellen wir uns vor, wir haben die Widerstandskurve bewusst so gewählt, dass wir eine bestimmte Phase der Bewegung nur sehr gering belasten wollen. Arbeiten wir gleichzeitig mit einer niedrigen Zusatzlast, kann das Eigengewicht des Hebelsystems plötzlich einen erheblichen Anteil am gesamten Widerstand ausmachen.

Die theoretisch sinnvoll eingestellte Widerstandskurve wird dadurch teilweise wieder verändert.

Die Maschine macht also nicht zwingend etwas „falsch“. Aber ihre Konstruktion erzeugt einen Effekt, den wir kennen müssen, wenn wir sie zielgerichtet einsetzen wollen.

Wozu braucht eine Maschine ein Gegengewicht?

Viele Leg Extensions lösen genau dieses Problem durch ein Gegengewicht.


Dieses Gegengewicht erzeugt ein Drehmoment in die entgegengesetzte Richtung und kann dadurch das Eigengewicht des bewegten Hebelsystems teilweise oder vollständig kompensieren.

Das Ziel: Die Konstruktion der Maschine soll die eigentlich gewünschte Widerstandskurve möglichst wenig beeinflussen.

Das kann vor allem bei niedrigen Trainingslasten ein erheblicher Vorteil sein.

Doch auch hier gilt: Ein Gegengewicht ist nicht automatisch „gut“ und eine Maschine ohne Gegengewicht automatisch „schlecht“.

Jede konstruktive Entscheidung bringt Konsequenzen mit sich.

Die relevante Frage lautet deshalb immer:

Welche Eigenschaften besitzt die Maschine – und passen diese Eigenschaften zu meinem konkreten Einsatzzweck?

Eine Maschine besitzt möglicherweise eine hervorragend verstellbare Widerstandskurve – gleichzeitig beeinflusst das Gewicht ihres Hebelsystems diese Kurve.

Eine andere Maschine kompensiert das Hebelgewicht hervorragend – bietet dafür vielleicht kaum Möglichkeiten, ihre Widerstandscharakteristik anzupassen.

Ein Gerät kann für Hypertrophietraining hervorragend geeignet sein, für ein bestimmtes Reha-Szenario jedoch weniger.

Oder umgekehrt.

Maschinen verstehen statt Marketingversprechen übernehmen

Genau hier setzt unser kommender Onlinekurs „Maschinen Guide – Maschinen und deren Nutzen analysieren und beurteilen“ an.

Krafttrainingsmaschinen gibt es heute in unzähligen Varianten. Gleichzeitig werden Coaches, Athletinnen und Therapeutinnen mit Begriffen wie „optimale Biomechanik“, „perfekte Kraftkurve“ oder „gelenkschonende Bewegung“ konfrontiert.

Das Problem: Solche Aussagen sind ohne Kontext häufig kaum aussagekräftig.

Im Maschinen Guide geht es deshalb nicht darum, bestimmte Hersteller oder Geräte pauschal zu empfehlen. Stattdessen lernst du einen wissenschaftlich fundierten und praxisorientierten Analyseleitfaden, mit dem du Krafttrainingsmaschinen selbstständig beurteilen kannst.

Wir analysieren unterschiedliche Maschinenkonzepte, vergleichen ähnliche Geräte verschiedener Hersteller und betrachten unter anderem Widerstandskurven, Hebelsysteme, Drehachsen, Einstellmöglichkeiten und konstruktive Besonderheiten.

Dabei werden nicht nur die Stärken einer Maschine betrachtet, sondern genauso ihre Schwächen und möglichen Limitationen.

Denn die perfekte Maschine existiert nicht.

Aber wenn du verstehst, warum sich eine Maschine so verhält, wie sie sich verhält, kannst du deutlich bessere Entscheidungen treffen – im Muskelaufbau, in der Rehabilitation, in der Gesundheitsprophylaxe oder bei der Ausstattung einer Trainingsfläche.

Der Maschinen Guide erscheint im Winter 2026.

Unser Ziel ist nicht, dir zu sagen, welche Maschine du verwenden sollst.

Unser Ziel ist, dir das biomechanische Verständnis zu geben, mit dem du diese Entscheidung selbst fundiert treffen kannst.


Autoren
EINS-A COACHING

Die EINS-A Coaching OG (Educational Institute for Sports – Austria) hat es sich zum Ziel gesetzt Strength & Conditioning Coaches ein Fortbildungsangebot auf höchstem Niveau zu bieten!

Das Angebot umfasst sportwissenschaftliche Fachbeiträge mit Wissenschaftlern aus der ganzen Welt, sowie sehr praktisch orientierte Workshops mit Weltklassetrainern/innen. Dabei legen wir darauf Wert, dass sowohl Hintergrundwissen für ein tiefes Verständnis von Trainingsprozessen, Physiologie, Psychologie und Rehabilitation vermittelt wird, als auch der praktische Einsatz!

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